alte textile Geschichten- der Stopfpilz

Im Hause kaze halten sich diverse alte Dinge auf, die schon ein Leben hinter sich haben und von einer Zeit erzählen, in der die textile Handarbeit einen ganz anderen Stellenwert hatte. Oftmals entdeckt man auch seltsame Dinge in geerbten Nähkästchen oder auf dem Trödel von dem man sich fragt, wozu sie wohl gedient haben könnten.
Wer stopft z.B. heute noch Strümpfe?
Es soll noch seltene Exemplare dieser Spezies Handarbeiter geben, aber man muß sie suchen. Utensilien dafür findet man sicher schneller.Vor Jahrzehnten war nicht nur das Selbermachen Pflicht und Last, sondern auch der Erhalt der textilen Werke. Auch die Kunst hat viele Frauen festgehalten, die Wäsche flicken oder Strümpfe. Suschna hat schon öfter gesammelte Beispiele gezeigt.  Heute ist manch einer froh, wenn ein Kleidungsstück ein Loch hat, so kann man sich mit guten Gewissen davon trennen.  Einen Stopfpilz, oft auch als Fliegenpilz gestaltet, war als Kind ein Spielzeug in Omas Nähkästchen. Hier ist ein ganz besonderes Exemplar mit moralischer Ermahnung! Er stammt aus dem Haushalt einer Frau  die 1901 geboren wurde .


 "Wenn dich die bösen Buben locken, dann bleib zu Hause und stopfe Socken!"


Die Prioritäten sind damit geklärt. Moral und Handarbeit gingen Hand in Hand.

Und hier ein großes Stopfei, sehr praktisch, denn es läßt sich öffnen und im Innern sind gleich die nötigen Dinge parat.Es liegt angenehm in der Hand, wie ein Schmeichelstein. Damit habe ich tatsächlich schon gestopft.


Nadeldosen gibt aus vielen verschiedenen Materialien und sie gehören in edler Verarbeitung (aus Silber, Bein, Permutt etc) auch zum Reisegepäck betuchter Damen und sind manchmal in Museen zu bewundern. Dieses Exemplar ist ein schlichtes Teilchen aus Holz.
Später oft aus Plastik hergestellt und manchmal auch als Andenken mit Bildchen drauf.


Ich gehöre noch zu den Mädchen, die kurzzeitig Nadelarbeit in der Schule hatten und stopfen gelernt haben.
Meine Töchte haben davon keine Ahnung, aber als ich dieses Video für Anfänger sah, mußte ich schon sehr grinsen. Da hätte die Lehrerin wohl einen Anfall bekommen.
Sind unter euch noch stopfende Wesen?


Kommentare:

Kerstin hat gesagt…

Schöne Schmuckstücke. Wir hatten auch Handarbeit und dunkel erinnere ich mich an Stopfen, aber ausüben könnte ich das noch nie so recht. Die Anwendung ist daher eher rudimentär.
LG
Kerstin

Einklang-Katrin hat gesagt…

Ja, die Stopfpilze kenn ich auch noch. Habe damit im Handarbeitsunterricht in Klasse drei (ca. 1980) noch Stopfen gelernt. Von meiner Uroma wird berichtet, sie hätte immer den Faden in der Nadel alle gemacht, egal welche Farbe der nächste Strumpf hatte. Und so ganz nebenbei hat sie auch gern die Hosenschlitze der Unterhosen zugestickt, hihi, sehr zur Belustigung der Arbeitskollegen in der Umkleide...

mme ulma hat gesagt…

oh, ist das stopfei schön!
ich glaube, ich habs nicht gelernt, notdürftig steche und fädle ich irgendwie herum, wenns not tut, aber zumeist geb ich zu stopfendes dem altkleidersack anheim.

Tally hat gesagt…

Klar hab ich schon gestopft, allerdings nicht um die bösen Buben fernzuhalten. Besonders können tue ich es auch nicht und da ich zu den Frauen gehöre, die fast immer warme Füße haben, trage ich fast nur stopfungeeignete dünne Baumwollsocken.
Flicken ist nicht meine Lieblingsbeschäftigung, aber selbstverständlich versuche ich liebgewonnene Kleidung oder Haushaltswäsche so lange wie möglich zu erhalten.

Deine Stopfutensilien sind besonders schön. Bei mir finden sich nur schlichte Modelle von Pilzen.

Katrins Uroma bringt mich zum Grinsen :-)

Grüße von Tally

Judika hat gesagt…

Das Video ist der Hammer.
Mein Ehemann trug bis vor ein paar Jahren nur selbstgestrickte Strümpfe, die habe ich auch immer gestopft. Gestrickt hat die Strümpfe seine mittlerweile verstorbene Mutter, diese Domäne habe ich ihr überlassen.
Ein Stopfei aus Olivenholz und ein Stopfpilz besitze ich seit vielen vielen Jahren. Baumwollstrümpfe stopfe ich nicht, unsere Jungs laufen immer auf Strümpfen und wetzen diese an durch, ein Fall für die Tonne.

herzlich Margot

mano hat gesagt…

so gut wie herr franke kann ich auch noch stopfen - obwohl es nicht gerade eine lieblingsbeschäftigung ist. aber ich habe einige schöne wollsocken, die ich natürlich nicht in die tonne klopfe, weil sie ein loch haben. katrins uroma find ich auch klasse!!
liebe grüße von mano
ps 1: den dänischen blumenkohl hab ich nicht eingefärbt, der kommt wohl ursprünglich aus sizilien. guck mal hier, wenn es dich interessiert: http://www.das-wilde-gartenblog.de/2013/03/11/lila-blumenkohl/
ps 2:mit wellenbrechern arbeiten sie in dk natürlich, sonst gäbe es den ort lönstrup u.a. schon nicht mehr. aber die ganze küste können sie nicht zubauen!

doro hat gesagt…

Schöne Sachen. Einen Stopfpilz hab ich auch noch im Nähzeug. Ich kann es auch (von Oma gelernt), aber in der Praxis mache ich es eigentlich nie. Was vor allem daran liegt, dass die Qualität der Socken nicht so toll ist, dass sich Stopfen lohnen würde. Ist eher selten so, dass nur ein Loch drin ist und der Rest einwandfrei.
Andere Kleidungsstücke werden aber schon repariert, wo es geht. Dann aber oft eher mit der Maschine gestopft, wo die Stelle es erlaubt, und eine Applikation drüber, wenn es auffällig ist.

LG Doro

Light Makes Music hat gesagt…

Der Stopfpilz ist wirklich herrlich. Meine Mutter hat auch noch einen, auf dem steht: Mädchen ich gelobe, ich heirat nur zur Probe. Ich hab nicht die geringste Ahnung, was der Spruch uns sagen soll. Es ist aber mittlerweile auch bestimmt 25 Jahre her, dass ich das letzte mal gestopft habe. Wie einige vor mir schon sagten, bei den meisten Socken von heute lohnt der Aufwand nicht mehr. LG Su

marabunte hat gesagt…

Das Stopfei ist ja wunderschön! und die Aufschrift auf dem Pilz würde heutzutage einen Aufschrei auslösen ...
Wollsocken stopfe ich nach wie vor. Dazu zweckentfremde ich einen Mate-Becher, da ich zwar alle möglichen Nähutensilien, aber noch keinen Stopfpilz geerbt habe.
Herzliche Grüße,
Malou

griselda hat gesagt…

Wie schön so profane Sachen sein können- wir stopfen hier über einer alten Glühbirne.
Die hat in 100 Jahren sicher auch Seltenheitswert, im Energiesparlampen-und LED-Zeitalter stirbt die Form sicher auch irgendwann aus.
Da ich keine Socken stricken kann ist es ein Zeichen von Respekt vor der Arbeit den Strickerinnen, wenn ich die Löcher stopfe....

knittingwoman hat gesagt…

Ich hoffe du musst meine nicht stopfen, das video ist so rudimetär wie der heutge Handarbeitsuntericht, setzen 6, mehr fällt mir dazu nicht ein.

LG

Monika

suschna hat gesagt…

:-) Also ich kann es noch simpler als der Herr im Video: Ich klappe die Socke innen beim Loch zusammen und nähe ein paarmal Zickzack am Lochrand entlang, außen sieht das dann ganz o.k. aus. Aber da tut sich eine große Einkommensquelle auf: Falls hier eine Kunststopferin liest, auf youtube lässt sich viel Geld verdienen!
Danke für deine Geschichten, für das wunderbare Pilzexemplar und die anderen Beispiele. Wie du dir denken kannst, freue ich auf noch viele Einblicke in deine Sammlung :-)

Rosenrot hat gesagt…

Wunderschöner Augenschmaus. Ich stopfe nicht mehr alles, nur die heißgeliebten Selbstgestrickten. Meine Jungs haben immer die gleichen Socken, schwarz und alle identisch, wenns da ein Loch oder eine durchgelaufene Sohle gibt, wandert die einzelne Socke in den Müll.
Sind ja noch genug da :0)
Erleichtert auch das Paarebilden ungemein. Da kann ich dann wieder ein Viertelstündchen für mich rausschlagen .
So Liebes, nun aber noch einen herzlichsten Gruß an dich vom Rös`chen

_rheingruen hat gesagt…

Praktisch und formschön gestaltet.
Stopfen kann ich nicht, bewundere aber diese Fähigkeit, die Zeit Muße fordert. Sicher auch eine Entspannung und Entschleunigung - mit praktischem Nutzen. Lieben Gruß zu dir Iris

swig hat gesagt…

den Spruch kenn ich – von meiner Oma!
Und manchmal stopfe ich, völlig improvisiert, aber nur Besonderes…
liebe Grüsse und einen schönen Sonntag!

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