Wenn man gern schreibt, ist Tinte und Tusche schnell ein besonderes Thema. So alt wie das Schreiben, sind auch die Flüssigkeiten dazu. Ruß, Erden, Galläpfel - der Grundstock historischer Tinten.
Seit ich vor längerer Zeit das Buch des Candiers Jason Logan "Make Ink" erwarb, sehe ich überall Möglichkeiten. Aber schon vorher habe ich Versuche gestartet. Die ersten Ansätze ganz klassisch mit den Schalen der Walnuß - wunderbar, da auch lichtecht! Uralte Rezepte gibt es da.
Mit dunkelroten Stockrosen habe ich mal experimentiert , die Tinte war z.B. bei unserem Texturenprojekt mit Ulrike hier sogar gleich im Einsatz.
Schreibflüssigkeiten kann man tatsächlich aus fast allem gewinnen, allerdings bleibt nicht alles für die Ewigkeit, vieles soll verblassen und sich verändern unter Licht. Also es geht um die Flächen, die dauerhaft Licht ausgesetzt sind. Alles, was ich bisher versucht habe, sieht immer noch genauso aus, aber befindet sich in Heften oder Büchern.
Aber solche Versuche, die nach Hexenküche riechen, ziehen mich magisch an. Probiert habe ich inzwischen Walnuß, Kaffee hier, Stockrosen, Banane, Hollunder, Eichelhütchen, Avaocado und Kupfer.
Eingeweichte Eichelhütchen
Dieselbe Charge nach dem Kochprozess. Sie sehen wie versilbert aus und tatsächlich entsteht ein schönes Grau mit Silberschimmer .
Es gelingt nicht alles! Meine tolle Farbe vom Hollunder z.B. lässt sich gut schreiben, glänzt erstaunlich und klebt wie Hölle. Leider, egal wie lange es trocknet. Ich hatte gehofft es läßt nach, aber sie tut mir den Gefallen nicht. Verdünnen? Ich habe den Zuckergehalt in Verdacht.
Wenn man das akribisch machen möchte, muß man wohl superexakt Buch führen über Mengen, Zeiten und Zutaten.
Das war die Vorbereitung für die Avocadotinte , sowohl Kern, als auch Schale habe ich genutzt.
Hier nach dem Kochprozeß, man kann sehen, was für ein schönes Braunrot entstanden ist.
Bis jetzt sind mir an Varianten begegnet:
- Pflanzen/Blüten frisch sammeln und auspressen - gefällt mir nicht, leide ich mit den frischen Blüten
- trockene Pflanzenteile in Essigwasser in die Sonne stellen - so ähnlich wie bei Solarfärbung, probiert und für gut befunden
- trockene Teile oder Beeren einweichen und später aufkochen mit Salz /Essig/rostigen Nägeln - funktioniert auch prima
Das Zufügen von Natron, Alaun und Soda verändert eine Farbflotte, so dass man mit einer Grundsubstanz mehr als eine Farbe erzeugen kann. Fingerspitzengefühl bei der Menge ist gefragt.
Gummiarabicum ist eine Option, die die Fließeigenschaften beeinflussen soll. So richtig konnte ich keinen Unterschied feststellen.
Filterpapier ist notwendig und ein Minischuß hochprozentiger Alkohol oder/und die Zugabe von Nelken verhindern, dass die naturelle Tinte schimmelt.
Bei einem Treff mit Ghislana von Jahrezeitenbriefe und Ulrike von ulkaucards im Sommer konnten wir schon hexenküchenmäßig Tinten tauschen und uns austauschen. Es war ein großes Vergnügen! Und bei Gelegenheit werden wir uns erzählen können, was wir damit so angestellt haben.
Geranie, Avocado, Mahonie und Indigo zeigt die oberste Reihe. Aus Pigmenten lassen sich antürlich auch Tinten herstellen.
Meine Erkenntnis : Tinten aus hölzernen/zähen, faserigen Pflanzenteilen wie Schalen, Kerne, Wurzeln, Rinde sind später stabiler auf dem Papier. Tinten aus Blüten verändern sich eher. Aber um da konkrete Aussagen zu machen, müßte man tatsächlich über längere Zeit Buch führen.
Hier ein Bild der gleichen Kiste (leider nicht jede Flasche an der gleichen Stelle) . Die Deckel sind alle nun zwei Monate am Licht. Die Gelb-und Blautöne scheinen relativ stabil, die Rottöne nähern sich irgendwie an, was die obige Theorie bestätigt. Ich hatte eigentlich erwartet, dass sie blasser werden, aber sie werden eher dunkler.
Bei jedem Gang durch die Natur schaut man plötzliche jede Pflanze mit anderen Gedanken an. Könnte ich Erlenzapfen sammeln und was ergibt es dann oder die roten Stängel vom wilden Wein?
Das war die Tinte , die Ulrike gemacht hat, für die Etiketten vom Weinbeerengelee. Sicher kann man aus dunklem Wein auch Tinte machen, aber dieses Jahr sollte unsere kleine Ernte auf dem Teller bzw. im Mund landen.
Hier liegt Herr Goethe in Essigwasser. Der Canadier Jason Logan erzählt in seinem Buch, dass Kupfer mit einer Essiglösung ein schönes Türkis ergeben soll. Er warnt aber auch vor gesundheitschädlichen Dämpfen. Es stand hier auf dem Balkon und nach kurzer Zeit
sah es so aus. Nicht schlecht, dachte ich. Dann habe ich das Glas einfach vergessen, weil der Urlaub anstand. Zurückgekommen sah ich, dass alles Wasser inzwischen verdunstet war und eine milchige Schicht am Boden lag. Sah sehr seltsam aus. Ich habe sie mit etwas Wasser aufgegossen.
So sah dann diese Flüssigkeiet aus, total milchig, das finde ich sehr ungewöhnlich. Ein Chemiker könnte dazu sicher etwas erklären.
Auf Papier gefällt es mir richtig gut, aber Herr Goethe ist nicht mehr zu erkennen, er hat himmelblaue Masern.
Habe ich jetzt etwas Giftiges produziert? Mit Metallfedern kann man damit nicht schreiben, weil es die sicher angreift. Überall wo Essig drin ist, sollte es nur Stahl, Glas oder Gänsekiel sein.
Da ich schon lange an dem Post schreibe, hier der neueste Versuch der klebenden Hollundertinte. Ihr seht wie sich die Farbe verändert hat und es klebt nur noch, wenn ich zuviel Tinte nehme, wie beim Wort braun, ansonsten klappt das jetzt. Das Warten hat sich gelohnt.
Irgendwann kommen auch flächige Experimente,wie es Logan herrlich im Buch zeigt, aber das Schreiben damit, stand bei mir im Vordergrund.
Vielleicht habe ich euch ein wenig Lust auf Tintenküche gemacht?