Es ist nicht alles Gold was glänzt - Stoffspielerei


Zum heutigen Thema, dass Suschna in die Runde geworfen hat, konnte ich nicht gleich mit einer Idee aufwarten. Ich sehe zuerst die historischen Textilen vor mir und dazu kommt, dass ich am liebsten mit den Dingen arbeiten möchte, die ich bereits hier angeäuft habe.

Diese Borte gehört dazu, die in natura noch mehr glänzt.

Gold zeigt von jeher Pracht und Reichtum, dies ist im textilen Bereich nicht anders. Besonders in katholische Kirchen und Klöstern kann man neben den lithurgischen Gewändern auch zahlreiche textile Arbeiten im weitestens Sinne, bestaunen. Heute würde das wohl meist als Mischtechnik in  Galerien bezeichnet werden, denn oft sind Stickerei, Perlen, Edelsteine, getrocknete Blumen und andere Bildelemente zusammengefügt. Über die Schönheit dieser Objekte läßt sich natürlich streiten, die handwerkliche Kunstfertgkeit allerings ringt einem Hochachtung ab.

Aber auch in Trachten wurde Goldglänzendes  eingesetzt.
Welche aufwändige Arbeiten mit goldenen Metallfäden vorrangig im Bereich Haube möglich sind zeigt dieser sehr interessante Artikel des Geschichts- und Heimatvereins Villingen hier. Viel zu lesen, aber auch gut bebildert, es lohnt sich.
Man findet goldfunkelnden Besatz auch an Festtüchern, Miedern und natürlich bei Brautkleidern. Im Volkunstmusem in Dresden kann man in Schubfächern diverse Spitzen mit Metallfäden bestaunen.

Von dem seltenen Handwerk des Posamentenherstellung wollte ich schon berichten, denn ich konnte voriges Jahr in eine aktive uralten Werkstatt mal schnuppern, denn dort kommen u.a. auch Goldfäden zum Einsatz und auch sogenannte Bouillons, gedrehte Goldspiralen, die wie eine Stabperle aufgenäht werden und eine plastische Wirkung erzielen. Hier gibt es einen Beitrag des Deutschlandfunks über die letzte Posamentiermeisterin, bei der ich war.



Seit dem Studium besitze ich eine Rolle goldenes Garn, knapp 200 Gramm schwer, die wir von einer Musternäherin bekamen, die sie auch schon als Erbmasse erhielt . Alter ci. 100 Jahre .Wahrscheinlich aus einem Stickereibetrieb, der aufwändige Fahnen und Standarten gearbeitet hat. Dabei liegen die golden Fäden  obenauf und werden nur an den Wendepunkten von unten mit einem anderen Garn fixiert bis die Fläche gefüllt ist.




Da ich selbst immer Silber dem Gold vorgezogen habe , kam es bisher nicht zum Einsatz. Bei dem Versuch es zu verhäkeln ist eine Art Zackenlitze entstanden, die ich mir am ehesten als Geschenkband zu Weihnachten vorstellen kann. Oder habt ihr noch andere Ideen?



Troddeln zu Häkeln nach einer Anleitung von hier, war nicht so wie erwartet, weil das Garn nicht nachgibt, aber als Dreiergespann könnte ich mir sogar Ohrringe damit vorstellen.

Wer heute noch ein paar glänzenden Ideen zu zeigen hat, könnte ihr bei suschna sehen, die als Gastgeberin alle links sammelt. Vielen Dank! Ich werde heute abend neugierig stöbern gehen.



Den nächsten Termin gibt es am 30.Otober zu Thema BLÄTTER  bei Frau Machwerk






Kommentare:

textilegeschichten.net hat gesagt…

Was für ein Glück, dass du noch echtes Material aus einer Werkstatt hast! Ich könnte mir auch vorstellen, dass man damit ganz moderne Dinge machen kann, wenn man wie die französische Firma freche neue Motive nimmt, die mit der traditionellen Goldstickerei nicht zu verwechseln sind. Statt Bouillon könnte man ja auch deinen Goldfaden aufsticken.
Ein Bericht über den Besuch in dem Posamentenbetrieb würde mich natürlich sehr interessieren. Danke für die historichen Infos!

made with Blümchen hat gesagt…

Posamentierwaren... noch so ein fast vergessenes Handwerk aus längst vergangenen Zeiten. In der Neubaugasse in Wien gibt es (oder gab es vor rund 10 Jahren, als ich von dort weggezogen bin) ebenfalls noch einen Hersteller von Posamenten. Einen Bericht von Deinem Besuch würde ich sehr spannend finden! Bei so alten Materialien wie du eines verwendet hast, werde ich immer ganz ehrfürchtig. Ob dieses Garn heute wohl noch hergestellt wird? Jetzt fallen mir auch die Wachauer Goldhauben ein, die mir noch nie gefallen haben, die aber wohl auch mit größter Kunstfertigkeit gemacht sind. Wie so oft bei den Stoffspielereien: Es öffnet sich ein weites Feld, wenn man Metall mit Textil kombiniert. Ein Kettenhemd zu fertigen wäre noch eine spontane Assoziation. Nur zu was man das heutzutage kombinieren könnte, ist fraglich. :-) Drahtige Grüße, Gabi

kaze hat gesagt…

@ gabi
Kettenhemd ist ein toller Hinweis, daran hatte ich gar nicht gedacht. Dabei kenne ich einen jungen Mann, der sich eines selber gemacht hat für Rittespiele in wochenlanger Kleinarbeit.
Man denkt oft nicht weit genug bei solche Themen.Danke!

123-Nadelei hat gesagt…

Absatz für Absatz denke ich hier: Ja, genau.
Auch ich hab es nicht so goldig, all das habe ich in den 80ern gelassen.
Deine Goldspule ist ein Schatz wie aus dem Märchen, ein tolles Fotomotiv.
Ich würde die Häkelkante auf ein wieder verwendbaren Weihnachtsgeschenksäckchen dezent von Hand aufnähen. So sieht Du sie immer mal wieder.
LG Ute

Lucy in the Sky hat gesagt…

Die Posamentiermeisterin würde mich auch interessieren. Eigentlich müsste es staatlich gefördert werden, dass für dieses Handwerk noch ausgebildet wird - wer wird in 100 Jahren Posamente restaurieren und für die Schlösser neu anfertigen? Das, was in den letzten Jahrzehnten neu gemacht wurde, wird auch irgendwann zerfallen, selbst unter besten Bedingungen.
Tatsächliche Einsatzgebiete für Goldborten zu finden, finde ich auch schwierig. Von Dries van Noten gab es mal eine Kollektion mit über und über goldbestickten Jacken; Kenzo hat sowas auch ab und zu gemacht, das wirkte dann durch die Übertreibung wieder ganz modern. Torero-Jacken haben auch Goldstickereien, fällt mir gerade ein. Könnte man vielleicht auf einer Weste einsetzen, wenn man geradlinige grafische Motive aufnäht/stickt/häkelt und bekommt dann vielleicht was zwischen Trachtenoptik (Danke für den Hinweis auf den interessanten Artikel) und Art Deco hin.

Heike Kuechler hat gesagt…

Was für ein spannender Post! Dank deines Beitrags durfte ich gedanklich in eine vergangene Welt schlüpfen. 100 Jahre altes Garn zu verarbeiten ist eine große Mission. Ehrfürchtig überlege ich, was ich aus diesem Garn machen würde. Ich glaube, ich würde für die Weihnachtszeit und besonders feierliche Anlässe weiße Servietten damit umstechen (schlicht grafisch) und Serviettenringe pass nd dazu machen. Bin gespannt, was letztendlich bei dir Feines entsteht.

mano hat gesagt…

dein goldener faden ist ja wirklich ein schatz - ich bin sicher du findest noch eine verwendung dafür. deine "armbänder" sind doch schon toll. ein kleines gehäkeltes abendtäschchen mit taftfutter könnte ich mir damit auch gut vorstellen.
ich würde sehr, sehr gern einen bericht über die posamentiermeisterin von dir lesen!!
es ist so schade, dass so ein altes handwerk einfach aussterben soll.
liebe grüße, mano

Ines Hlsberg hat gesagt…

Danke für den tollen Post. "Posamentierarbeiten" hatte ich schon mal gehört, hätte aber nicht gewusst, was es bedeutet. Ein Bericht über die Werkstatt ist sicher interessant.
Deine Häkelborte sieht sehr edel aus - vielleicht auf Stoff und dann ein Armband draus?
Liebe Grüße
Ines

amberlight hat gesagt…

Oh ja, da war ich auch schon und hätte so gerne darüber berichtet. Meine Überzeugungskünste haben aber leider nicht ausgereicht und ich habe von ihr die Genehmigung zum Blogbericht leider nicht bekommen - so blieb es nur dabei: http://amberlight-label.blogspot.de/2015/12/leinen-faden-naturfasern.html Viele tolle Fotos durfte ich in der Werkstatt machen und Namen sowie Standort hätte ich ohnehin nicht preisgegeben - aber sie blieb leider bei ihrer Meinung. Ich kenne auch das Grüppchen, dass sich seit Jahren bemüht Sie zu überzeugen, dass sie ihr Wissen weitergibt, aber auch da war man(n) bislang leider erfolglos. Wenn du einen guten (Gold)Draht zu ihr hast, dann nutze ihn ;-)

griselda hat gesagt…

Dein Faden schaut im Vergleich zu den krisseligen Nähmaschinengarnen ganz glatt aus, mich würde mal interessieren was das für ein Material ist. Ist da eine Metallschicht um einen Kern aus Seide gezwirnt? So eng und gleichmäßig?
Ich würde das wahrscheinlich aufsticken und den Faden dabei nur an der Oberfläche entlanglaufen lassen. Also zuerst irgendwie eine Linie mit Vorstichen aufsticken und dann dadurch den Faden ziehen- vielleicht auch zwischen zwei parallelen Stepplinien im Hexenstich oder so.
:)
(Mir geht es mit Gold übrigens wie dir- Silber mag ich viel lieber....)

papiertaenzerin hat gesagt…

... Goldfaden, Goldgarn, was es daraus nicht alles zu spinnen gäbe, ich liebe Gold sehr, vor allem als Schuh und vor kurzem habe ich mir sogar eine Salbe gekauft, nur weil Gold drin ist ;-) Deine Borte würde ich auch auf ein Täschchen nähen, oder ein Kleidungsstück, eine Kette (genüpft, gehäkelt) aus diesem feinen, alten Material könnte ich mir auch gut vorstellen....

verfuchstundzugenäht hat gesagt…

Großartig!!!
Ich hab so ein Gold-Kunstwerk!
Ich besitzte einer Wascher Goldhaube. Deine Spitze ähnlt deren Rand!

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