Stoffmanipulation Nr. 5 Chenille

Chenille kannte ich erst nur als Garn, ehe es mir irgendwo im Netz mal begegnet ist. Es gibt sogar spezielle Messer dafür. Diese Technik wollte ich gern für die Aktion, die suschna sammelt, ausprobieren. Gesehen habe ich es vorrangig für Bekleidung mit Jeansstoffen. Dafür werden mehrere Schichten Stoff übereinander genäht, abgesteppt, eingeschnitten, gewaschen und in den Trockner gesteckt. Alles in allem recht aufwändig und stoffintensiv, kann man doch bis zu 7 Schichten vernähen.
Da ich an meinem Taschenvohaben festhalten wollte, kamen nur max. 2 Schichten in Frage, denn das schlägt ja auch eindeutig beim Gewicht zu.
Mein Anzugglencheck sollte einmal der oberste und bei einer zweiten Variante der unten vorblitzende Stoff sein. Ob es überhaupt mit anderen Stoffen, als Denim funktioniert und auch ohne Trockner, war jetzt die Frage.
Dieses Mal also alles ein ziemlich offenes Experiment:
Variante 1:
- 3 Lagen, grauer Glencheck, roter Cord, oben schwarzer Köperstoff
- einmal schräg abgesteppt
- einmal  im Kreis gesteppt, aber nur zweilagig



Variante 2:

-2 Lagen, unten schwarzer Köper, oben das graue Glencheckkaro




-beide Varianten aufgeschnitten und teilweise noch quer eingeschnitten mit der Nagelschere und dann ab in Waschmaschine, kein Trockner !

Ergebnis:
Variante 1 ist ganz ansehnlich geworden und wenn man es vernäht durch die Bewegung sicher noch wirkungsvoller. Jede zweite Reihe hatte ich  noch quer eingeschnitten , die sind besser geworden.



Variante 2: hat mit dem gewünschten Chenillecharakter gar nichts mehr zu tun, sieht aber witzig aus, wie ich finde.
Das Stückchen werde ich trotzdem zu einer kleinen Tasche verabeiten, was ich noch nicht geschafft habe.


Für das Fluffige geht Köperbindung  offensichtlich wohl am besten und die Diagonale zum Fadenlauf scheint auch wichtig zu sein.
Toll finde ich bei der Technik, dass man auch absolut ungeliebte Stoffe, die man eigentlich nicht mehr sehen mag so verarbeiten kann. Für Heimtextilien eine praktikable Variante, erst recht, wenn man Massen an alten Jeans hat. Dafür braucht man aber auch eine stabile Maschine bei mehr als zwei Lagen.
 
Und jetzt bin ich neugierig, was den Mitstreiterinnen so eingefallen ist. Euch einen schönen Sonntag!


Kommentare:

mo.ni.kate hat gesagt…

das gefällt mir sehr. könnte ich mir auch als abschluß bei einem rock vorstellen.
lg monika

suschna hat gesagt…

Ich finde auch beide Varianten sehr interessant. Vor allem habe ich auch Unmengen alter Jeans, da müsste man fürs Fransen aber wohl sehr nachhelfen. Verstehe ich doch richtig, dass schräg zum Fadenlauf nicht so viel passiert(wie man ja auch denken würde?).
Bei Quilts hatte ich so einen Puscheleffekt schon gesehen, da weiß ich aber noch, dass die Urheberin am Ende noch mühselig viele Fäden gerupft hat, um alles fluffig zu machen.
Auf die Idee, hässliche Stoffe so zu verwerten, wäre ich nicht gekommen, aber das ist wirklich eine gute Idee. Dann fällt mir das Verarbeiten auch viel leichter! Keine Angst mehr, einen schönen Stoff zu verlieren.

frifris hat gesagt…

Chenille ist wirklich ein toller Effekt, und vielfach einsetzbar. Auch deine Varianten finde ich toll!

Nachdem mein erster Versuch mit Jersey (ich muss das nochmal suchen, war auch eine Stoffmanipulation) ja gescheitert ist (hat sich nicht genug gerollt), wollte ich das noch mal versuchen und dabei besser auf den Fadenlauf/das Dehnen bei Jersey achten.

@ suschna: es wellt/franst bei Webware besser, wenn man diagonal (also schräger Fadenlauf) schneidet!

suschna hat gesagt…

Da sieht man es mal wieder, Dauerirrtum. Ich dachte immer, schräger Fadenlauf behindert Fransen.

kaze hat gesagt…

@ suschna
Also schräg ist wirklich ideal und Jeans ist noch idealer, da reicht die Waschmaschine vollkommen aus.Habe im Netz einen Teppich gefunden, der war genial, nur aus Jeans.Toplappen gehen auch prima.

@frifris
Kreise müßten bei Jersey doch gut klappen, oder?

Kathrin hat gesagt…

Sehr inspirierend. Ich bin jetzt auch durcheinander...wird bias nicht diagonal zum Fadenlauf geschnitten, damit es nicht franst? Denim hat glaube ich nur einen weft und mehrere warp Faeden, deshalb franst das so sehr. Super interessant, was bei deinen Experimenten rausgekommen ist. Das letzte Bild ist fantastisch - Stoffeffekt und photographisch gesehen.

griselda hat gesagt…

Ja, schräg ist besser, auch für das Flusensieb der Waschmaschine. Da geht ja kein Fädchen verloren da alles noch von der Naht erfasst ist.
(Hat irgendwer früher auch Jeans zu kurzen Hosen abgeschnitten und in langweiligen Schulstunden dann die Schussfäden rausgepult? Das wäre dann Handmade-Chenille im geraden Fadenlauf...)

Interessant und ganz neu für mich ist die Vielschichtigkeit. Wirklich ideal für die Verwertung ungeliebter Stoffe.....

Karen, mach unbedingt noch ein Täschchen draus, das wäre doch viel zu schade, um in einer Kiste zu dümpeln.

Siebensachen hat gesagt…

Du hast mit deiner Chenille-Technik tolle Effekte erzielt und könnte mir vorstellen, dass du es auch noch mit mehreren Stofflagen ausprobieren möchtest.
Der Gedanke, ungeliebte Stoffe zu "verbrauchen", spukt nun in meinem Hinterkopf herum...
LG
siebensachen

frifris hat gesagt…

Ich glaube, der schöne Effekt beim Diagonalschneiden ist nicht das fransen, sondern dass der Stoff sich so schön wellt. Er franst eigentlich nicht (weil eben im schrägen Fadenlauf) sondern wellt sich. Wenn es o.k. ist, hier nochmal ein link zu einer Babydeckenrückseite:
http://www.aestheticnest.com/2010/08/sewing-heirloom-cut-chenille-baby.html
Da sieht man ganz gut, wie sich der Stoff nach dem Waschen verhält.


@ kaze: ja, also bei Jersey bin ich nicht schlau geworden, ich habe quer und längs geschnitten, und das war auf alle Fälle nicht ergiebig. Ich fürchte, da muss ich nochmal einen Testlauf machen - schräg und Kreise und...
Dann kommt es natürlich auch noch auf den Jersey an... *seufz*

kaze hat gesagt…

@Frisfris

Danke für den link. da sist ja echt ne fleißaufgabe so eng. das geht auch nur mit diesesm Spezialmesser, glaube ich oder eben mit der nagelschere, dann sitzt man aber echt lange. Sieht echt kuschelig aus.

Tally hat gesagt…

Sehr feurig, deine Spielerei, vor allem im letzten Bild.
Mir kommt gleich in den Sinn: ein Weihnachtstäschchen der besonderen Art.

Herzlichen Gruß
Tally

amberlight hat gesagt…

Beeindruckend ... da ahnt man mal wieder, was einem bei diesem wunderbaren Nähhobby noch alles erwarten könnte. Der Herr Museumsdirektor würde sich übrigens sehr freuen, wenn wirklich innovative Weihnachtsbäumchen den Weg in sein Haus finden und du wärst dafür ganz sicher die Richtige ... http://amberlight-label.blogspot.de/2012/10/museumsreif-aktion-blogger-baum.html

Lucy in the Sky hat gesagt…

Sehr interessant, welchen Unterschied es macht, welchen Stoff man verwendet, wie man schneidet usw. Da muss man wohl längere Versuchsreihen anstellen, bis man das durchschaut hat. Ein Experiment mit dieser Technik vor Jahren fand ich nicht wirklich ausbaufähig - wenn man nur häßliche Stoffe verwendet, kommt vielleicht doch wieder nur was häßliches raus.

Noch eine Idee: Jody pearl näht mit dieser Technik Röcke und biegt die Lagen teilweise noch in die eine oder in die andere Richtung und näht sie fest (allerdings auch nur aus schönen Stoffen...), sie nennt die Röcke "splice skirts":

http://re-inventingfashion.blogspot.de/search?q=splice+skirt

viele Grüße! Lucy

KunstundKleider hat gesagt…

Das ist auf jeden Fall eine interessante Technik, die ich auch noch nie bewusst irgendwo gesehen habe. Aber ich kann mir auch viele Einsatzmöglichkeiten dafür vorstellen - vielleicht kann man so auch das Futter durchblitzen lassen?
Liebe Grüße,
Marion

kaze hat gesagt…

@lucy
danke für den link. die röcke leben vorrangig von der "schatten"-wirkung der zwei Stoffe. a muß man dann schon schöne Stoffe nehmen. Im Gebrauch franst das aber sicher ganz schön?!
Beim Chenille-Effekt(diagonal)bis zu sieben Schichten, sind die Zwischenlagen egal, nur die oberste und unterste ist wichtig, finde ich.
Ich probiere da sicher weiter, irgendwann.

Louise hat gesagt…

Ich bearbeite meine Fusselkanten immer mit der Kartoffelbürste nach :)
Dieses mechanische Stressen der Schnittkanten ( ich habe bisher immer nur 45 Grad Schnittwinkel genommen) macht es schön fransig.
Toll ist auch mehrere Lagen Schrägstreifen mit dem Zackenrollschneider zuzuschneiden und dann als Borte aufzunähen ( habe ich bei meiner Steampunkjacke gemacht)

Liebe Grüße und weiterhin viel Spaß beim fleißigen Soffmanipulieren.

Einklang-Katrin hat gesagt…

spannende technik! läd so richtig zum spielen mit farben und formen ein.

lg katrin

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