Stoffspielerei Oktober - Spitze

Im letzten Mnat haben die Mitspieler dieser textilen Aktion netterweises schon mal auf das Oktoberthema hingewiesen, denn zu einer seperaten Ankündigung habe ich es nicht mehr geschafft.
Heute dreht sich alles um das Thema Spitze, welche in unserem Alltag eher weniger vorkommt , aber ihre Blütezeit im 18. Jahrundert hatte.
Dieses Buch ist ein tolles Nachschlagewerk und stammt von einem Mann, der selber Spitze entworfen hat und sich sein Leben lang mit diesem besonderen textilen Bereich auseinandersetzte. Deshalb gibt es heute einen kleinen Ausflug.


Die Einteilung von Hand- und Maschinenspitze ist angebracht und zweiteres ist keineswegs abwertend zu sehen. Wer die Gelegenheit hatte in Plauener Spitzenmuseum im Vogltand alte Maschinen zu sehen, die Spitze herstellen können, kann nur den Hut ziehen vor der technischen Meisterleitung. Da kommt einem ein Webstuhl wie Kinderkram vor. Passionierte Weber mögen mir bitte verzeihen!


Es gibt zahlreiche handgearbeitete Spitzentechniken, die weltweit entstanden sind. Beim Betrachten von musealen Stücken ist man oft versucht herauszubekommen in welcher Technik denn gearbeitet wurde. Regional werden Spitzen gleicher Machart auch verschieden benannt, was zusätzlich das Verständnis und die Verständigung erschwert.

Friedrich Schöner hat alle handgearbeiteten Spitzen nach Bindung unterteilt
Sticken:           Handstickereispitzen
Nadelarbeit :    Nadel-oder Nähspitze, Bändchenspitze, Sols
Verflechtung :   Klöppelspitzen
Verknotung :    Macramee, Filetspitzen, Occyspitzen
Maschenbildung : Häkelspitzen, Strickspitzen

Damit lassen sich alle Spitzen einsortieren. Regional gibt es dann auch mal Spitzen, die verschiedene Techniken untereinander verbinden.
Das Besondere an Spitze ist, das man dafür oft einen zeichnerischen Entwurf als Grundlage brauchte, deshalb verwundert es vielleicht auch nicht, dass gerade in Ländern, in denen Kunst und Kunstandwerk hoch entwickelt waren, besondere Spitzen entstanden, die natürlich zuerst dem Adel vorbehalten waren. Stücke aus Mailand und Venedig aus dem 17.Jh (!) sind teilweise erhalten in Museum U.-P. Prag, in V&A London.
Leider bekommt man solche Raritäten sehr selten zu Gesicht.

Von einer weit entfernten Tante (Jahrg 1901) habe ich vor vielen Jahren ein Päckchen Handgearbeitetes geerbt.
Aufgehoben vorallem aus Achtung vor der Handarbeit, denn so etwas wollte ich nie benutzen. Darunter auch etwas, was als Spitze zählt.



Jetzt war die Zeit reif und ich kann es verarbeiten . Aus dem Sammelsurium ergab sich kein Gesamtprojekt, so habe ich ein wenig gedruckt, was mir sehr gut gefällt.






Das Weiß ist Acryl, die hellgraue Textilfarbe. Die Feinheit bei letzterer hat mich beim Drucken überrascht. Das Leinenstück wird mit Sicherheit eine Tasche.
Die erste Idee war eine Strickjacke, die plötzlich und unerwartet ein großes Loch auf der Vorderseite hatte, mit Spitze zu reaparieren, aber das muß so passeganu sein, dass es wohl nur mit Entwurf geht.  Mit Bleichpaste Spitze zeichnen war auch im Plan, aber leider klappt das mit dem 48 h-Tag noch nicht richtig.
Ich freue mich sehr auf eure Ideen und hoffe wir haben einen spitzenmäßigen Sonntag. Eure Beiträge werden wie üblich verlinkt.

123-nadelei  zeigt überraschende Neu-und Umnutzungen von Spitzendecken 

Frau Nahtlust verbindet Papier, Kunststoff und Filz

Martina von Machwerk greift zur Sprühflasche und läßt ein Kleid entstehen

Nähzimmerplaudereien hat selbst Spitze gehäkelt und weiter verarbeitet, zusätzlich zeigt sie interessante historische Stücke

Ute von Textile Werke hat etwa ganz Besonderes probiert, raffinierte Spitze passend für Unterwäsche an der Maschine frei gestickt

facile et beau- Gusta schmückt Hände, wandelt auf historischen Pfaden  und zeigt ein interessantes altes Büchlein

Petozi design zeigt eigene Klöppelspitze

Textile Geschichten experimentierte mit ungewöhnlichen Materialien, um Spitze zu kreieren

made withe blümchen nimmt uns mit nach Burano, wo man sehr besondere Spitzen macht

Frau Nahtzgabe hat einen Versuch in Reticella gestartet


Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Zum nächsten Termin am 29. November  lädt Frau Nahtzugabe zum Thema Folklore ein .

Kommentare:

griselda hat gesagt…

Ja genau- ich finde Spitze auch technisch total anspruchsvoll und vielfältig. Und für nichtklöppelnde Laien fast nicht selbst herzustellen.
Deshalb nehmen wir dann halt die vorgefundenen Spitzen als Zitat, das wirkt wie bei deinen Beispielen auch viel moderner und neuer als die klassischen textilen Spitzentechniken.
Danke für das interessante Thema. Ich bin diesmal sehr gespannt, ob jemand versucht hat, Spitze selbst herzustellen.

frau nahtlust hat gesagt…

Hallo liebe Karen, ein klasse Beutel, der bestimmt viel Tragefreude bereiten wird! Ich bin erstmals auch dabei und habe mit verstofflichter Tortenspitze gearbeitet. Schau mal hier: nahtlust.de

LG. Susanne

naehzimmerplaudereien hat gesagt…

Ja, die vielen Spitzendeckchen, die sich so ansammeln...
Bin schon gespannt, was draus wird. Sieht schon vielversprechend aus. Und auch die Wirkung unterschiedlicher Farbe ist interessant.
Magst Du mich mit der Bluse auch noch verlinken?
Liebe Grüße
Ines

facile et beau - Gusta hat gesagt…

Deine Idee mit dem Drucken von Spitze finde ich sehr schön. Das hat etwas filligranes und zartes. Ganz so was ich mir unter Spitze vorstelle.
Ich habe ein bisschen was aus diesem Material genäht, aber ich hab es auch schon in einem Bild verarbeitet. http://facileetbeaugusta.blogspot.de/2015/10/stoffspielereien-spitze.html

Ich finde diese Stoffspielereien total inspirierend.

Liebe Grüße
Gusta

petozi Design hat gesagt…

Deine bedruckten Deckchen sehen Spitze aus!!
Du kannst meinen Link auch noch zufügen.
http://petozi-design.blogspot.de/2015/10/meine-kloppel-schatzkiste.html
Einen spitzenmäßigen Sonntag wünsche ich Dir
Petra

textilegeschichten.net hat gesagt…

Vielen vielen Dank für den Überblick und die Einordnung. In den letzten Tagen habe ich vergeblich versucht, eine eindeutige Erklärung für Guipure-Spitze zu finden, überall steht etwas anderes.
Hast du jetzt echt die alten Deckchen mit Farbe eingestrichen? Ich traue mich an die gar nicht heran, sie liegen alle im Stapel da. Jedenfalls finde ich deine Ergebnisse sehr gut, vor allem auch die Papiertüte wegen des schönen Kontrasts.
Ich glaube schon, dass die alte Spitze irgendwann wieder hoch gehandelt wird. Hier in Berlin gibt es einen Laden, da kaufen die Amerikaner und Japan sehr viel davon ein.

kaze hat gesagt…

@ suschna
Die Farbe bei den Deckchen ließ sich problemlos sofort wieder auswaschen. das textile Grau hat natürlich gefärbt, aber das finde ich nicht schlimm, aber sie haben überhaupt nicht gelitten.
Wegen der Spitze schau ich mal in der Enzyklopädie nach.

Ich weiß auch, dass die Japaner Plauener Spitze kaufen wie verrückt, aber bin immer etwas irritiert, weil es für mich das Gegenteil von Purismus ist.

Gabriele Brandhuber hat gesagt…

Hallo miteinander, ich bin auf Eure Stoffspielereien gestoßen und hätte - wie's der Zufall so will - gerade auch etwas zum Thema Spitzen beizutragen, einen Bericht über einen Besuch im Spitzenmuseum auf Burano: http://www.madewithbluemchen.at/das-ist-spitze/
Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mich in Eure illustre Runde aufnehmt.
Liebe Grüße,
Gabi von www.madewithbluemchen.at

Gabriele Brandhuber hat gesagt…

PS: Es ist jetzt noch kein Link auf die Stoffspielereien in meinem Blogbeitrag, weil ich mir nicht sicher bin, nach welchen Regeln Ihr hier Beiträge aufnehmt und ob ihr meinen Beitrag überhaupt dabei haben wollt. Wenn ja, dann füge ich natürlich einen Hinweis auf die Stoffspielereien ein! Ich bin darüber hinaus neugierig und wüsste gern mehr über den Hintergrund der Stoffspielereien: Wer ist aller beteiligt, wie kommt ihr zu Euren Themen, wie kommuniziert ihr untereinander? It hier der richtige Platz für diese Fragen oder an wen kann ich mich (per E-Mail?) wenden? Herzlich, Gabi

123-Nadelei hat gesagt…

Als bekennender Einsammler von Spitzendeckchen freue ich mich über das von Dir gewählte Thema. Das von Dir vorgestellte Buch steht auch in meiner Bibliothek.
Deine Druckergebnisse sind vielversprechend, da möchte ich auch gleich selbst mal wieder los legen. Das zeigt sehr anschaulich das die Dinger mehr können, als bei Oma rum liegen.
Kannst Du bitte die Verlinkung für mich ändern, ich habe einen aktuellen Beitrag mit Backlink wie es sich gehört gerade veröffentlicht.

Ungezeigt habe ich gerade einen Pullover mit filigranen Häkelblumen aus Taschentuchgarn repariert, zeige ich demnächst.

kaze hat gesagt…


@ Gabriele Brandhuber
Hallo Gabi, bitte gib mir etwas Zeit, war mit der Familie unterwegs, aber gleich werde ich dich verlinken.Auf deiner Seite konnte ich keine E-mail finden, aber ich schreibe dir gern ausführlicher. Schön, dass du unsere Aktion gefunden hast.

@ 123 Nadelei
Ich hatte den link allgemein gehalten, so dass er automatisch zu deinem aktuellsten Post führt.

Gabriele Brandhuber hat gesagt…

Hallo Karen, danke fürs Verlinken und für den Hinweis. Meine E-Mail Adresse war super im Impressum versteckt. Und auch herzlichen Dank für Deinen obigen Beitrag! Das Buch hab ich mir gleich ebenfalls bestellen müssen, und mit Spitzendeckchen zu drucken finde ich eine tolle Idee, sieht klasse aus. lg, Gabi

mano hat gesagt…

deine sammlung von kostbarkeiten ist wunderschön, ich hätte auch gern einige von meiner großtante mie im schrank. die war nämlich das, was man heute als handarbeitsqueen bezeichnet. sie konnte die filigransten spitzen klöppeln und häkeln. leider ist nicht ein teil von ihr mehr vorhanden. schade!
deine papiertüte sieht genial stylisch aus und der druck auf leinen ist wunderschön. ob es mir gelingt, für michaelas mustermittwoch auch so etwas feines herzustellen, weiß ich noch nicht...
liebe grüße von mano

Tabea Heinicker hat gesagt…


fein hier wird auch gedruckt. sputzen sind nicht so meins. vermutlich hatten wir mal zuviele geerbt. zum drucken eignen sie sich ja super!

sag mal, hast du lust auf adventspost? ich würde mich sehr freuen, wenn du dabei bist!

zu deinem kommentar: oh interessant. allerdings komme ich an käseplannten nicht ran ;o)

liebe grüße . tabea

Textile Werke hat gesagt…

Deine Spitzendeckchensammlung ist wirklich beeindruckend. Und toll finde ich auch die Ergebnisse deiner Spitzendruckerei. Ich habe auch noch solche Spitzendeckchen, die ich immer mal wieder anschaue, die mir aber irgendwie zu schade zm Benutzen sind/waren. Aber jetzt kommen sie zum Einsatz. Bin gespannt, wie sich das entwickelt. Dank für die Inspiration.
LG Ute

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