Als die Buchstaben laufen lernten


Diese Woche unternahm die Kalligrafiegruppe "Papiergeflüster" einen Ausflug nach Leipzig ins Museum für Druckkunst. In Leipzig-Pragwitz gibt es seit einigen Jahren ein Museum, welches eine große Sammlung Druckmaschinen beherbergt, sowie das Schriftgießen zeigen kann, die für das Setzen notwendig waren, bevor Offset- und Digitaldruck die Printwelt beherrschten. Ein Bogen von Gutenberg bis heute sozusagen, rund 550 Jahre Druckgeschichte.

Postkarte aus dem Museum, natürlich Handsatz.

Die Ästhetik der alten Maschine und die Arbeitsweise, die wir teilweise noch in Funktion sehen konnten, war beeindruckend. Wie komplex im 19.Jh bereits Maschinen gearbeitet haben, läßt einen staunen. Die Geschichten, die hinter der jeweiligen Entwicklung der Maschine stecken nicht minder, durch eine Führung haben wir viel erfahren. Alte Setzer konnten ihr Wissen an junge weitergeben, auch wennn es nur im Museum aktiv genutzt wird, so geht doch solch Wissen wenigstens nicht verloren.

 Zum Schluß stand jeder an einem Setzkasten und konnte ein Zitat oder ähnliches "zusammenbasteln", denn das trifft es am ehestens. Klitzekleine Buchstaben im großen Setzkasten finden, an die richtige Stelle plazieren , da ja seitenverkehrt, klingt lächerlich einfach, hatte aber seine Tücken. Beim Füllen der Leerstellen bekamen wir Hilfe.




 Ich stand  bei der Times, die ich sehr schätze und habe beim ersten Drucken zu heftig am Rad gedreht, so dass eine Erschütterung entstand, die die Dopplung verursacht hat. Ein Zitat von Oskar Wilde war meine Wahl und ich habe dann erst später gesehen, wieviele falsche Buchstaben ich gegriffen hatte.

Oben und unter gedruckt, Mitte zeigt die Druckplatte
In einer Ausstellung wurden "Gedruckte Werte "- Aktien gezeigt. Die extrem aufwändig gearbeiteten Papiere waren schon kleine Kunstwerke, die einen staunen lassen in ihrer präzisen Feinheit.
Prächtige Schiffe, rauchende Schornsteine, fauchende Krokodile - historische Aktien entführen  in eine reiche Bilderwelt. Auf diese Weise wurde das Unternehmen sichtbar. Neben exklusiver Rahmengestaltung transportieren vorallem Bildinhalte Botschaften der Firmen.
Geblieben ist von dieser Art Wertdruck nur noch ein wenig auf Geldscheinen und auf Steuermarken der Zigaretten.

Es war ein sehr informativer Tag, der mal wieder gezeigt hat wie wichtig es ist, altes Wissen und Handwerk zu bewahren und welch ein riesengroßer Unterschied in einer handgesetzten Schrift zu jeder Computerschrift besteht. Sowohl von der Arbeit, als auch von der Ästhetik.


Kommentare:

frau nahtlust hat gesagt…

Das klingt wirklich nach einem tollen Ausflug. Ach, da wäre ich gerne dabei gewesen! Schade, dass man nicht immer alles machen kann oder überall sein kann. Apparieren wie bei Harry Potter wäre doch eine Lösung, die sich lohnen würde, zu entwickeln :-)
Danke für die Fotos, die wirklich Lust auf mehr machen.
LG. susanne

kaze hat gesagt…

Ich bin sofort dabei, apparieren wäre eine tolle Möglichkeit!

papiertaenzerin hat gesagt…

... spannend! Und Leipzig steht sowieso schon länger auf meinem Besuchsplan...

Himmel Blau hat gesagt…

Na wenn das kein feiner Ausflug war...und wettertechnisch war man da auch recht unabhängig...;-). Liebe Grüße und ein schönes Wochenende, Lotta.

monique carnat hat gesagt…

wie schön zu sehen wie alles begonnen hat und weitergeht * dass wir heute mit wörter und vieles andere spielen und drucken können *%§/#^...
liebe grüsse

Astrid Ka hat gesagt…

Ich habe noch ein Praktikum in einer Druckerei gemacht, so als Schülerzeitungsredakteurin, toll! Ich liebe die Setzerei bis heute...
Einen schönen Sonntag!
Astrid

Judika hat gesagt…

gerade das doppelt gedruckte bzw. verschwommen an dem Zitat mag ich sehr, das wäre was um es an die Wand zu pinnen. Das Zitat mag ich auch sehr, ich versuche mich ja nur noch mit Dingen zu umgeben, die ich wirklich mag, leider gibt es das Budget Grenzen vor.
herzlich Margot

ULKAU hat gesagt…

Zu diesem Beitrag wollte ich dir schon lang geschrieben haben, denn genau dort hin wollte ich auch, als ich mit einer Freundin vor 2 Jahren in Leipzig war. Leider hatte sie kein Interesse für dieses Museum, also habe ich verzichtet. Aber wenn ich deinen Bericht so lese und die Bilder dazu sehe, könnte ich mich immer noch ärgern, nicht dort gewesen zu sein.
Es war bestimmt sehr spannend. Lieben Gruß von Ulrike

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